Eine fast unglaubliche Geschichte

(Von 12 die auszogen das Klettern zu lernen bzw. zu lehren)

An einem normalen „MS-Stammtisch“ unserer Gruppe, im April 2005, kam ein netter junger Mann dazu und stellte sich als Tobias (Tobi) Käser vor. Er sei Sportstudent an der TU München und suche für seine Diplomarbeit Mitwirkende bzw. „Probanden“. Tobi erläuterte uns das Thema und den Inhalt seiner geplanten Diplomarbeit:

„Therapeutisches Klettern bei MS“

Zuerst waren wir sprachlos, dann gab es Schmunzeln ;-) bzw. ein breites Grinsen :-) unsererseits. Wir fragten Tobi, wie er sich so etwas vorstelle? Sollen wir mit Gehstützen, Rollator oder gar Rollstuhl an die Kletterwand? Darauf meinte er nur: "Ja, genau so!"
Die Idee, die hinter diesem nicht ganz naheliegenden Vorhaben lag war die, dass es zwar mehrere (Diplom-) Arbeiten zu therapeutischem Klettern gab, aber keine für/bei MS. Das war aus heutiger Sicht ein absoluter Glücksfall für alle Teilnehmer! Einige unserer Gruppe waren zu dem Abenteuer bereit. Jedoch mehr mit dem Hintergedanken zu jedem Spaß bereit zu sein, als mit der Hoffnung auf einen therapeutischen Erfolg.
Am 28. Mai 2005 war dann unser Starttermin. Wir kamen dann wirklich mit den unterschiedlichsten Hilfsmitteln, von Gehstützen bis Rollstuhl, an den Ort des Geschehens. Dort wurden wir in die Geheimnisse von Gurten, 8-ter Knoten, Karabinern, Haken, Sicherungsseilen und Sichernden, sowie unbequemen Kletterschuhen eingewiesen. Dann stellte sich der oder die Erste der Herausforderung der Kletterwand.

Es war unglaublich und ist es bis heute.

Natürlich waren die ersten Versuche eher bescheiden, was die erklommene Höhe betrifft, und sind es bis auf einige Ausnahmen noch heute. Auch die unterschiedlichen Hilfeleistungen, je nach Behinderung des Kletterers sind beispiellos. Die Skala reicht dabei von einfachem Zurufen, zum finden von Halt auf den manchmal sehr kleinen Griffen und Tritten, bis hin zur Hilfe beim Heben oder gar dem echten Heben und Führen der Beine. Aber es funktioniert! Und Tobis Erfolge liegen nicht nur darin, welche Höhen wir in der Zeit bis heute erreicht haben und ob wir bestimmte Kletterouten einhalten können. Wir alle haben, bei den Befragungen zur Diplomarbeit und auch bis heute, immer wieder bekräftigt, dass sich viele Krankheitssymptome verbessert haben. Bei mir, zum Beispiel, hat sich die Stabilität im Stehen, das Gleichgewicht, das Körpergefühl, das Bewegungsmuster, das Durchhaltevermögen, die Selbstsicherheit, die Kraft im allgemeinen und vieles mehr merklich verbessert. Und das ist nicht nur meine persönliche und somit subjektive Meinung sondern das wurde mir auch mehrmals von den Therapeutinnen bei meiner KG bestätigt.
Weil das alles ein so unglaublicher und für viele unerwarteter Erfolg wurde, keimte bereits währen der sechs Termine für die Diplomarbeit, bei uns der Gedanke an eine Fortsetzung. Aus diesem Grund bemühte sich Tobi mit uns auch schon während dieser Termine um Möglichkeiten zur Weiterführung unsres neuen Therapiesportes zu finden. Es galt die Verantwortlichen des ZHS (Zentraler Hochschulsport) von dieser Idee zu überzeugen, denn wir brauchten ja auch freie Termine in der Halle die wir dann für uns in Anspruch nehmen wollten.
Nun sind wir alle Mitglieder des Kuratorium für Prävention und Rehabilitation e.V. und klettern weiter mit riesigem Spaß und gutem Erfolg. Auch hat sich durch die begeisternden Erzählungen vom Spaß und vor allem vom Erfolg des therapeutischen Kletterns der bisherigen Teilnehmer die Gruppe bereits weiter vergrößert.