NEU: An der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München startet mit

„KiT – Klettern in der Therapie“

im September 2014 die erste universitäre Fortbildung im Therapeutischen Klettern in Deutschland.

Klettern besitzt einen hohe therapeutische Potenz, da beim Klettern motorische Fertigkeiten wie Kraft, Ausdauer, Koordination, Geschicklichkeit, aber auch psychosoziale Eigenschaften wie vorausschauendes Handeln, Konzentration, Angst- und Stressbewältigung, emotionale Kontrolle, partnerschaftlich-kooperatives Verhalten trainiert und zu Heilungsprozessen nutzbar gemacht werden können. Das Konzept „KiT“ bietet in vier Modulen ein praxisnahe Weiterbildung in den Bereichen „Erleben und Verhalten“, „Bewegungssystem“, „Kinder und Jugendliche“ und „Bewegungskontrolle“.

Weitere Informationen unter:
http://www.weiterbildung.sg.tum.de/weiterbildungsangebote/zertifikatsstudien/therapeutisches-klettern/

Motto: Bayern barrierefrei: IMMER. FÜR ALLE. ÜBERALL.

Vierundvierzig Selbsthilfegruppen, -verbände und Initiativen trafen sich unter Federführung der LAG Selbsthilfe Bayern auf dem Münchner Marienplatz. Seit 1991 findet dieser Tag immer am 5. Mai unter einem anderen Motto statt. Das Motto für den 05. Mai 2014 „Bayern barrierefrei: IMMER. FÜR ALLE. ÜBERALL.“ ist mehr als nur ein Versprechen für Gutmenschen, Behinderte und Menschen mit Gerechtigkeitssinn, sondern wurde so sinngemäß in Horst Seehofers Regierungserklärung vergangenen November verkündet: Bayern werde bis 2023 im öffentlichen Raum und im öffentlichen Nahverkehr komplett barrierefrei sein.
Dass Menschen mit Behinderungen, ob körperlich, psychisch oder geistig behindert, blind, schwerhörig oder sprachbehindert in der Gesellschaft immer noch in vielen Bereichen benachteiligt sind und auf Barrieren stoßen, ist leider Realität. Barrieren gibt es für Menschen mit Behinderung: IMMER. FÜR ALLE. ÜBERALL.
Europäischer ProttesttagEuropäischer Prottesttag
Über den ganzen Tag moderierte Christian Hanreich das umfangreiche Programm über die Vielzahl von Barrieren, die in Form von Bordsteinen, nicht barrierefreien Internetseiten oder einer naturbelassenen Umwelt zu einer Behinderung des Menschen führen. Und es ging auch um die gesellschaftlichen Barrieren in Ausbildung, Arbeitswelt und Freizeit, die allzuschnell zum Ausschluss von Menschen mit Handicaps führen. Von den Barrieren in den Köpfen eines jeden Einzelnen ganz zu schweigen. Ein Diskussionsteilnehmer brachte es im Laufe des Tages auf den Punkt: Wir bräuchten bei diesem Thema viel mehr Verständnis und Sensibilität – sowohl von Seiten der Nichtbehinderten als auch auf der der Behinderten.
Irmgard Badura, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung schnitt in ihrem Grußwort an, wen die Mammutaufgabe einer „umfassenden Barrierefreiheit“ angeht. Die Umsetzung gehe uns alle an. Und wir, die Behinderten, dürften uns nicht selbst im Wege stehen, damit es in naher Zukunft überall, für alle, umfassend barrierefrei sein werde.

Bis zum frühen Abend suchten alle Beteiligten im Dialog miteinander, wie zukünftig in unserer Gesellschaft alle Menschen mit Behinderung nicht auch noch zusätzlich von außen, von allen möglichen Barrieren, behindert werden. Damit die Chance auf echte Teilhabe in allen Bereichen dieser Gesellschaft Wirklichkeit wird.

In einer Diskussion mit vier Landtagspolitikern und dem Behindertenbeauftragten der Landeshauptstadt München, Oswald Utz, ging es um die umfangreichen Hausaufgaben, die die Politik hinsichtlich einer Umsetzung eines barrierefreien Bayerns zu schultern habe. In den fünf Themenblöcken wie „Mobilität“, „Kommunikation“. „Bildung“, „Freizeit, Sport und Kultur“ und „Ausbildung und Arbeit“ sprachen engagierte Vertreterinnen und Vertreter aus den unterschiedlichsten Initiativen, Selbsthilfegruppen und -verbänden über konkrete Verbesserungen hinsichtlich dem Abbau von Barrieren an Teilhabe. Damit Menschen nicht auf ihre Behinderung reduziert werden.
An der Universität, bei der Ausbildung und Arbeit fehle die Kooperation zwischen Schulen und Betrieben und bei der Beantragung von notwendigen Hilfsmitteln müsse Mensch sich mit aberwitzigen Bürokratiemonstern herumschlagen.
Und die Lebensqualität und Mobilität könnte um ein vielfaches besser sein, wenn es mehr behindertengerechte Wohnungen gäbe.
Bei der Freizeitgestaltung wurde vielfach bemängelt, dass zur jeweiligen Behinderung passende Angebote fehlten und viele davon zu teuer seien.
Das Armutsrisiko bei Schwerbehinderten sei deutlich erhöht, so eine Teilnehmerin beim Themenblock „Bildung“. Es bestehe eine „Verurteilung zu verordneter Armut“, denn staatliche Unterstützung gebe es nur, wenn die Eigenmittel alle aufgebraucht seien.

Das Rahmenprogramm war äußerst vielfältig und bunt. Es bestritten blinde Musiker, eine integrative Band – die Blue Dolphins, der Chor der Aphsingers, die Trommler der Munix Hampti Dumtis und last not least die Sitztanzgruppe der Deutschen Heredo Ataxie Gesellschaft.

Um die Mittagszeit gab es einen Rundgang für Interessierte mit der Frage: Barrierefreie Innenstadt? Die Führung zeigte, wo Menschen mit Handicap auf Hindernisse stoßen.

Am Stand der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Landesverband Bayern und im Themenblock „Freizeit, Sport und Kultur“, der am Nachmittag stattfand, unterstützten und diskutierten an diesem Tag Mitgliederinnen und Mitglieder der Klettergruppe »MS on the rocks« nicht nur Bayern auf seinen barrierefreien Weg. IMMER. FÜR ALLE. ÜBERALL. Auch den »Rockies« Ingrid, Petra, Sonja, Sebastian, Markus und Klaus wurde es an diesem Tag auf dem Münchner Marienplatz wieder schnell bewußt, dass es für einen barrierefreien öffentlichen Raum weit mehr braucht als abgesenkte Bordsteine und Aufzüge an Bahnhöfen.

Doch zum Abschluß noch ein paar persönliche Worte:
»MS on the rocks« ist eine kleine, aber feine Nische, wo Menschen mit der chronischen Krankheit Multiple Sklerose weder inkludiert noch exkludiert, sondern „einfach“ nur nicht von außen behindert werden.
»MS on the rocks« ist ein kleiner barrierefreier Teil Münchens.
Eine feine Nachricht zum „Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“.

Klaus Massa